Ist zu niedriger Blutdruck eine Krankheit?

Niedriger Blutdruck, vom Arzt Hypotonie genannt, ist in der Regel harmlos und muss nicht behandelt werden – ein zu niedriger Blutdruck muss also nur in seltenen Fällen als Krankheit bezeichnet werden. Das Risiko für Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder periphere Verschlusskrankheit der Beine ist sogar verringert. Trotzdem können bei besonders veranlagten Menschen wegen des niedrigen Blutdrucks unangenehme Beschwerden auftreten.

Was ist ein niedriger Blutdruck?

  • Wenn der Arzt den Blutdruck misst, erhält er stets zwei Werte: den systolischen und den diastolischen Blutdruck.

  • Der systolische Wert wird vom Arzt immer zuerst genannt. Wird also ein Blutdruck von „110 zu 70“ (geschrieben: 110/70 mm/Hg) gemessen, beträgt der systolische Blutdruck 110 mm/Hg, der diastolische Blutdruck 70 mm/Hg.

  • mm/Hg ist dabei die Einheit des Blutdruckes und bedeutet „Millimeter Quecksilbersäule“.

  • Ein niedriger Blutdruck liegt vor, wenn der systolische Wert unter 100 fällt. Dieser systolische Wert entspricht dem Druck in den großen Arterien, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut zu den Organen pumpt. Ist dieser Druck zu gering, können einzelne Organe unter Umständen nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Es treten Beschwerden auf, die meistens auf eine unzureichende Durchblutung des Gehirns zurückzuführen sind. Bei welchen Blutdruckwerten es zu Beschwerden kommt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Mit der Zeit kann sich der Körper in den meisten Fällen an einen niedrigen Blutdruck gewöhnen.

Welche Beschwerden können bei niedrigem Blutdruck auftreten?

  • Typische Beschwerden bei niedrigem Blutdruck sind:

    • Schwindel, es kann einem schwarz vor Augen werden

    • Bewusstseinstörungen bis hin zur Ohnmacht

    • Abgeschlagenheit und Müdigkeit

    • Kalte Hände und Füße

Was sind die Ursachen eines niedrigen Blutdrucks?

  • Häufig findet sich keine direkte Ursache für einen niedrigen Blutdruck. Der Arzt spricht dann von essentieller oder primärer Hypotonie.

  • Betroffen sind insbesondere junge, schlanke Frauen, Kinder und Jugendliche in Wachstumsphasen, Schwangere und Leistungssportler.

  • Davon zu unterscheiden ist die sogenannte sekundäre Hypotonie, deren Ursache eine andere Erkrankung ist. Sie kann hervorgerufen werden durch Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen, Herzbeutelentzündung oder durch hormonelle Erkrankungen wie einer Unterfunktion der Schilddrüse, der Nebennierenrinde oder des Hypophysenvorderlappens.

  • Auch eine lange Bettlägerigkeit oder ein Flüssigkeitsmangel können einen niedrigen Blutdruck verursachen.

  • Daneben rufen einige Medikamente, z. B. Psychopharmaka, als unerwünschte Nebenwirkung einen niedrigen Blutdruck hervor.

Welche Therapie hilft?

  • Bei einer sekundären Hypotonie wird immer zuerst die Erkrankung therapiert, die für den niedrigen Blutdruck verantwortlich ist. Ein primär zu niedriger Blutdruck wird nur behandelt, wenn Beschwerden vorliegen, die im Alltag zu Beeinträchtigungen führen. Häufig helfen bereits einige allgemeine Maßnahmen, um diese Symptome zu lindern. Dazu gehören beispielsweise:

    • Wechselduschen mit warmem und kaltem Wasser (mit kaltem abschließen)

    • Bürstenmassagen (an den Beinen beginnen und Richtung Herz arbeiten)

    • Saunabaden, das mit Vorsicht durchgeführt werden sollte, da es durch die Wärme zu einer starken Gefäßerweiterung kommen kann, die den Blutdruck senkt und einen Kollaps verursachen kann.

    • Regelmäßig Sport treiben, zum Beispiel Radfahren, Schwimmen, Tanzen oder Gymnastik. Körperliche Aktivität erhöht den Blutdruck.

    • Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei bis drei Litern täglich

    • Bestimmte Bewegungen wie auf den Zehenballen wippen oder die Bauchpresse aktivieren, wenn Ihnen bei längerem Stehen das Blut in den Beinen versackt ist. Für die Bauchpresse werden Bauch- und Beckenmuskeln wie zur Stuhlentleerung angespannt.

    • Das langsame Aufsetzen nach dem Liegen sowie das Kreisen der Füße vor dem Aufstehen.

  • Wer diese Ratschläge konsequent befolgt, erfährt meist eine rasche Besserung der Beschwerden. Erst wenn diese Maßnahmen keine Wirkung zeigen, kann der Arzt auch Medikamente einsetzen. Es gibt aber wenige Medikamente, die hier geeignet sind.

Wer sich mit niedrigem Blutdruck wohl fühlt, braucht nicht behandelt zu werden. Lediglich bei Beschwerden ist eine Therapie sinnvoll. Häufig führen dann bereits einfache Maßnahmen wie sportliche Betätigung, Wechselduschen und viel Trinken zum Erfolg.

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